Plötzlich arbeitslos: So bekommen Sie Hilfe durch das Arbeitslosengeld I

Plötzlich arbeitslos: So bekommen Sie Hilfe durch das Arbeitslosengeld I

Viele trifft es plötzlich: Ein Brief vom Arbeitgeber mit der Kündigung, die Insolvenz der Firma oder ein Zeitvertrag, der nicht verlängert wird. Damit niemand in dieser Zeit in Armut leben muss, steht allen Arbeitnehmern nach der Kündigung ALG I zur Verfügung. Gedacht ist das Geld dafür, eine kurze Zeit der Arbeitslosigkeit zu überbrücken.

Das Arbeitslosengeld I ist keine Sozial- sondern eine Versicherungsleistung. Es stammt aus der Arbeitslosenversicherung, die jeder Arbeitnehmer während des Beschäftigungszeitraumes zahlen muss. Im Unterschied zur Sozialhilfe oder dem Arbeitslosengeld II wird das ALG I nur für einen zuvor festgesetzten Zeitraum gezahlt. Der Bewilligungszeitraum richtet sich danach, wie lange Sie in den letzten 5 Jahren zuvor versicherungspflichtig beschäftigt waren.

Arbeitslosengeld beantragen: Welche Voraussetzungen bestehen für die Antragstellung?

Ein Anspruch auf Arbeitslosengeld I entsteht erst dann, wenn der Antragsteller in den letzten 5 Jahren zuvor mindestens 360 Kalendertage gearbeitet hat. Die Anspruchsdauer richtet sich sowohl nach der Dauer der letzten versicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse als auch nach dem Lebensalter:

Versicherungspflichtige Beschäftigungs­verhältnisse vor Antragstellung Altersgruppe Anspruchsdauer
12 Monate 6 Monate
16 Monate 8 Monate
20 Monate 10 Monate
24 Monate 12 Monate
30 Monate 50. 15 Monate
36 Monate 55. 18 Monate
48 Monate 58. 24 Monate

Den Antrag stellen Sie bei der zuständigen Agentur für Arbeit Ihrer Stadt. Für die Antragstellung benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • gültiger Personalausweis
  • Arbeitspapiere (auch die Lohnsteuerkarte)
  • gegebenenfalls Nachweise über einen früheren Leistungsbezug (Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Unterhaltsgeld)
  • Arbeitsbescheinigung der Arbeitgeber in den letzten 5 Jahren
  • Kündigungsschreiben oder Erklärung zur Arbeitsaufgabe
  • gegebenenfalls Bescheinigung über Bezug von Krankengeld
  • aktuelle Meldebescheinigung
  • Rentenversicherungsnummer

TIPP: Es wird empfohlen, den Antrag nicht postalisch zu senden, sondern einen Termin zur Abgabe mit dem zuständigen Mitarbeiter zu vereinbaren. So können Sie sichergehen, dass der Antrag eingegangen ist, offene Fragen direkt klären und Sie erhalten im Regelfall unmittelbar Auskünfte über die Erfolgsaussichten einer Bewilligung.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld I und wie wird es berechnet?

Berechnung des Arbeitslosengelds © fotolia.com/ hans12

Das ALG I wird in Höhe von 60 % des Nettogehaltes der letzten Beschäftigung gezahlt. Antragsteller mit einem minderjährigen Kind, das im Haushalt lebt, erhalten 67 % des vorherigen Nettogehaltes. Wenn dieses Gehalt zuvor monatlich variierte, wird das Mittel gebildet. Für die Ermittlung des tatsächlich ausgezahlten Betrages wird folgendes Berechnungs­verfahren zugrunde gelegt:

  • Schritt 1: Berechnung des tagesgenauen Anspruchs Bruttoeinkommen / 365 Tage = Anspruch pro Tag
  • Schritt 2: Abzüge Tagesaktueller Anspruch
    • Sozialversicherungspauschale (21 %)
    • Lohnsteuer
    • Solidaritätszuschlag
    • = täglicher Leistungssatz
  • Schritt 3: Ermittlung des Zahlbetrages
    • Antragsteller ohne Kind: 60 % vom täglichen Leistungssatz
    • Antragsteller mit Kind: 67 % vom täglichen Leistungssatz
  • Schritt 4: Täglicher Leistungssatz x 30 Tage (auch für Monate mit 31 Tagen) = Monatlicher Zahlbetrag

Beispielrechnung:

Der Antragsteller hat in den letzten 12 Monaten einen durchschnittlichen Bruttoarbeitslohn von 2.500 € bezogen. Er ist verheiratet und in Steuerklasse 4. Der Antragsteller erhält einen monatlichen Zahlbetrag von 961,89 €.

Arbeitslosengeld I: Welche Auflagen müssen erfüllt sein und wann ist mit Sperrfristen zu rechnen?

Die (drohende) Arbeitslosigkeit sollte schnellstmöglich persönlich bei der zuständigen Agentur für Arbeit gemeldet werden innerhalb von 3 Monaten vor Eintritt der Arbeitslosigkeit, spätestens aber am 1. Tag der Arbeitslosigkeit. Wichtig ist, dass Sie ab der Meldung der Arbeitslosigkeit als arbeitssuchend gelten und sich aktiv um neue Arbeit bemühen müssen. Der Zahlung vom ALG I geht voraus, dass Sie Ihre sogenannte Mitwirkungspflicht erfüllen und eine Bereitschaft zur Teilnahme an berufsfördernden Maßnahmen zeigen. Änderungen Ihrer Finanzen oder Lebensumstände, die nach der Antragstellung eintreten, müssen der zuständigen Agentur für Arbeit umgehend gemeldet werden.

Sollten Sie Änderungen verschweigen oder Ihre Mitwirkungspflicht verletzen, werden empfindliche Sperrfristen verhängt. Sie treten dann ein, wenn Sie beispielsweise eine Ihnen angebotene, zumutbare Arbeit oder die Teilnahme an beruflichen Wiedereingliederungsmaßnahmen verweigern. Für den ersten und zweiten Verstoß erhalten Sie 3 Wochen keine Leistungen, ab dem 3. Verstoß dauert die Sperrzeit sogar 12 Wochen. Auch mangelnde Eigenbemühungen oder eine selbstverschuldete Kündigung haben Sperrfristen zur Folge.

Gibt es Zusatzleistungen bei besonderen Ereignissen oder Beschränkungen hinsichtlich der Wohnungsgröße?

Sie erhalten im Rahmen des Arbeitslosengeldes 1 keinerlei Zusatzleistungen, da das Geld eine Versicherungsleistung und keine Sozialleistung ist. Auf der anderen Seite brauchen Sie jedoch auch keine Auflagen hinsichtlich der Wohnungsgröße oder der Höhe der Miete erfüllen.


Ist der Bezug zusätzlicher Leistungen erlaubt?

Zusätzlich zum ALG I dürfen Sie eine versicherungspflichtige Nebentätigkeit oder eine selbstständige Nebentätigkeit aufnehmen, wenn diese unter einer wöchentlichen Stundenzahl von 15 Stunden liegt. Es wird jedes Nebeneinkommen auf die Versicherungsleistung angerechnet und muss unverzüglich gemeldet werden.

Wissenswertes zum Thema Arbeitslosengeld I

Arbeitslosengeld I - weiterführende Informationen, Videos und Statistiken.

Videos zum Arbeitslosengeld I

Ahnungslos - Thema Arbeitslosigkeit

ALG I & ALG II - Vorraus oder rückwirkende Zahlung?

Statistiken zum Arbeitslosengeld I

Leistungsempfänger von Arbeitslosengeld I im Jahresdurchschnitt von 2000 bis 2013 (in 1.000)

Bundesagentur für Arbeit

Anteil der hartz-iv-Empfänger an der Bevölkerung nach Bundesländern im Dezember 2013

Bundesland Anteil der Hartz IV Empfänger
Berlin 17 %
Bremen 14,1 %
Sachsen-Anhalt 12,2 %
Meckl.-Vorp. 11,9 %
Hamburg 10,4 %
Brandenburg 10,1 %
Sachsen 9,8 %
Nordrhein-Westfalen 9,1 %
Thüringen 8,2 %
Schleswig-Holstein 7,8 %
Saarland 7,5 %
Niedersachsen 7,4 %
Hessen 6,8 %
Rheinland-Pfalz 5,4 %
Baden-Württemberg 4 %
Bayern 3,3 %

Statistisches Bundesamt, Bundes­­agentur
für Arbeit, Deutscher Landkreistag

Begriffe aus unserem Glossar

Top-Begriffe zum Thema haben wir für Sie zusammengestellt:

  • Arbeitslosigkeit
    Fehlen einer entlohnten Betätigung [mehr]
  • Lohnsteuer
    Besteuerung des Einkommens aus nichtselbstständiger Arbeit [mehr]

Checklisten/ Vorlagen zum Arbeitslosengeld I

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